Sicherheitsbetrachtung Kaspersky Antivirus

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viele von Ihnen haben die Produkte (managed und unmanaged) im Einsatz. Einige von Ihnen fragen sich, wie sicher die Verwendung der Software ist und ob es Alternativen gibt. Am Ende müssen Sie die Entscheidung für sich selbst treffen. Die folgenden Fakten, die wir für Sie zusammengestellt haben, sollen Ihnen diese Risiko-Analyse erleichtern.

{Update August 2023: Links hinzugefügt. Die Einschätzung bleibt unverändert}

Umfrage

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ich entferne alles und stelle sofort auf anderes Produkt um3
ich vertraue weiterhin der Kaspersky Antivirus Lösung12
Stimmen insgesamt 43Mi 13. Dez 2023 15:13 vor 4 Monaten

Risikobetrachtung

Vorteile: 8  
  1. Kaspersky labs, Ltd. ist ein Unternehmen mit Hauptsitz in Großbritannien, mit Tochtergesellschaften in vielen EU-Staaten- auch in Deutschland. Für die deutschen Erlöse ist die Deutschland-Tochter verantwortlich. Erlöse fließen über die EBERTLANG Distribution GmbH auf ein deutsches Konto
  2. Software-Updates werden nur über Server in der Schweiz freigegeben über über Server außerhalb Russlands verteilt. Dies ist im Rahmen der ISO-Zertifizierung und SOC2 überprüft worden
  3. Quellcodes der Antivirus-Programme können in der Schweiz eingesehen werden, die Lösung ist ISO-zertifiziert
  4. Die Lösung verträgt sich technisch optimal mit vielen Softwareprodukten
  5. alte Betriebssysteme wie Windows 7 und Server 2008 R2 können (noch) abgesichert werden
  6. Administration und Alarmierung erfolgen zentral für Sie
  7. Die Warnung des BSI von März war politisch motiviert, da die angeführte Begründung für ALLE Virenscanner gilt
  8. Es ist eine Warnung, keine Untersagung der Nutzung des Virenscanners
Nachteile: 4  
  1. Die Firma Kaspersky beschäftigt aktuell und wird auch zukünftig Entwickler auf russischem Staatsgebiet beschäftigen
  2. Die Software hat, wie jeder andere Virenscanner auch, Root-Rechte auf jedem Zielsystem. Das bedeutet grundsätzlich eine höhere Wirksamkeit
  3. Der Firmengründer und CEO der Holding „Kaspersky Labs. Ltd.“ mit Sitz in Großbritannien, Eugen Kaspersky, wohnt in Russland
  4. Das BSI warnt (Stand 15.März 2022) derzeit vor dem Einsatz von Kaspersky Antivirus.

Alternativen

Microsoft bietet (ganz aktuell) im Rahmen der Microsoft 365 Mietpläne mittlerweile einen managebaren Virenschutz auch für kleinere Unternehmen an Microsoft Defender für Business. Lizenzen sind für die Clients mit Microsoft 365 Business Premium Plänen inkludiert. Eine Umstellung von Kaspersky ist möglich, es können keine alten Betriebssysteme abgesichert werden.

Die Schutzwirkung ist vergleichbar mit den Kaspersky Produkten. Daher haben wir Support- und Produktmanagement aufgebaut, um Sie professionell bei einer Migration auf die Microsoft Defender für Business und Azure Defender Lösung unterstützen können. So lange laufen die meisten Kaspersky-Subscriptions.

Wenn Sie in Eigenverantwortung auf eine andere Drittanbieter-Antivirus Lösung umstellen möchten, gelten die folgenden Anregungen:

  • Leistungsumfang und Schutzwirkung müssen mindestens auf dem Level angesiedelt sein wie bei Kaspersky
  • Nebenwirkungen mit der auf den Servern und Clients betriebene Software sollten vermieden werden (insbesondere im Hinblick auf Performance und Datenintegrität)
  • Der Anbieter sollte Ihr vollstes Vertrauen genießen. Manche Anbieter haben Ihren Firmensitz bzw. die Dachgesellschaften in Ländern wie der Slowakei, Rumänien, Slowenien, Pakistan, wo andere Datenschutzgesetze gelten, als in der EU.
  • Die Vertragsbeziehung sollte immer mit einer deutschen Tochtergesellschaft des Herstellers erfolgen.
  • Server, von denen die Daten/Signaturen verteilt werden, sollten innerhalb der EU oder in einem neutralen Land stehen (Schweiz).
  • Kein Support durch die GWS: Systemkoordinierende sind für Drittanbieter-Produkte in voller Eigenverantwortung

Fazit

Die Einstufung der amerikanischen FCC (Telekommunikations-Regulierer) wie auch die BSI-Warnung von März 2022 vor dem Einsatz von Kaspersky geben als Begründung Risiken an, die für nahezu jede Antivirus-Software gelten. Entgegen beiden Artikeln hat die Kaspersky Dachgesellschaft „Kaspersky labs, Ltd.“ den Sitz in Großbritannien, nicht in Russland. Kaspersky ist einer der Weltmarktführer, daher wird das Risiko entsprechend hoch bewertet. Das Bundesamt rät ausdrücklich davon ab, den Virenschutz abzuschalten oder zu verschlechtern.

Im Moment sprechen viele Vorteile zunächst für den Weiterbetrieb von Kaspersky Antivirus. Der aufgezeigten Risiken sollte sich jede Führungskraft bewusst sein. Schlagartig auf einen anderen Virenschutz umzustellen, verschlechtert jedoch die Schutzwirkung für Altsysteme. In den von uns durchgeführten Risiko-Analysen nach BSI-Standard wird das allgemein gestiegene Risiko von Cyber-Sicherheits-Produkten bewertet. Dabei ist irrelevant, von welchem Hersteller der Virenschutz ist.

Wir sprechen uns damit aktuell weder für noch gegen Kaspersky Antivirensoftware aus. Mittelfristig – etwa bei Ablauf der Subscription – regen wir an, nach jeweils im Einzelfall zu erfolgender Risiko- und Vorteils- /Nachteilsabwägung, auf das integrierte Microsoft Produkt umzustellen. Dazu müssen alte Betriebssysteme modernisiert sein.

Kurzfristig empfehlen wir: Investieren Sie in Mitarbeiter-Awareness-Schulungen, um das Risiko für Angriffe zu verringern und kontrollieren Sie laufend die Berichte und Aktualität Ihres Virenschutzes und der Firewall-Infrastruktur. Erfahren Sie mehr hierzu in einem eigenen Artikel hier im Portal.

Pressemeldungen

Für Interessierte: Pressereview und Maßnahmen, die Kaspersky Labs zur Absicherung im Rahmen der SOC2-Zertifizierung der Software eingebaut hat:

https://www.kaspersky.com/about/compliance-soc2
https://www.kaspersky.com/about/iso-27001
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/softwareanbieter-kaspersky-unter-verdacht-17867952.html
https://www.itmagazine.ch/artikel/seite/76682/0/.html
https://tarnkappe.info/artikel/nb65-riesen-blamage-mit-falschem-kaspersky-source-code-leak-216923.html
Stellungnahme von Kaspersky zum BSI-Artikel – PC-Welt am 15.03.2022
https://www.kaspersky.de/blog/kaspersky-statement-zur-warnung-des-bsi/28282/
https://www.silicon.de/41693219/usa-stufen-kaspersky-als-sicherheitsbedrohung-ein – FCC Meldung
https://community.beck.de/2022/04/28/bei-virenschutzprogrammen-bestehen-schon-aufgrund-ihrer-funktionsweise-sicherheitsluecken-ovg-nrw-zur-warnung – Einschätzung des OVG-Urteils durch Fachjuristen
BSI-Warnung war politisch motiviert – Artikel aus „legal Tribune online“

Cyber-Versicherung möchte mehr Geld

Einige Kunden sind verunsichert aufgrund der Aufforderung einer Versicherung die aktuelle Virenschutzlösung bekannt zu geben. Die Konsequenz, sofern es sich um eine Lösung des Herstellers Kaspersky handelt, ist die Erhöhung der Selbstbeteiligung und die Aufforderung die Lösung zu ersetzen.

Viele andere Versicherungen sehen „im Rahmen und Umfang der Verträge die Nutzung von Kaspersky aktuell nicht als Gefahrerhöhung an“. Falls Sie betroffen sein sollten, lassen Sie Ihre Situation durch einen Fachanwalt individuell prüfen.

Zusammenfassung
  1. Dies ist im Rahmen der ISO-Zertifizierung und SOC2 überprüft worden||(+)Quellcodes der Antivirus-Programme können in der Schweiz eingesehen werden, die Lösung ist ISO-zertifiziert ||(+)Die Lösung verträgt sich technisch optimal mit vielen Softwareprodukten||(+)alte Betriebssysteme wie Windows 7 und Server 2008 R2 können (noch) abgesichert werden ||(+)Administration und Alarmierung erfolgen zentral für Sie ||(+)Die Warnung des BSI von März war politisch motiviert, da die angeführte Begründung für ALLE Virenscanner gilt ||(+)Es ist eine Warnung, keine Untersagung der Nutzung des Virenscanners ||(-) Die Firma Kaspersky beschäftigt aktuell und wird auch zukünftig Entwickler auf russischem Staatsgebiet beschäftigen ||(-) Die Software hat, wie jeder andere Virenscanner auch, Root-Rechte auf jedem Zielsystem.
  2. Kein Support durch die GWS: Systemkoordinierende sind für Drittanbieter-Produkte in voller Eigenverantwortung Fazit Die Einstufung der amerikanischen FCC (Telekommunikations-Regulierer) wie auch die BSI-Warnung von März 2022 vor dem Einsatz von Kaspersky geben als Begründung Risiken an, die für nahezu jede Antivirus-Software gelten.
  3. Wenn Sie in Eigenverantwortung auf eine andere Drittanbieter-Antivirus Lösung umstellen möchten, gelten die folgenden Anregungen: Leistungsumfang und Schutzwirkung müssen mindestens auf dem Level angesiedelt sein wie bei Kaspersky Nebenwirkungen mit der auf den Servern und Clients betriebene Software sollten vermieden werden (insbesondere im Hinblick auf Performance und Datenintegrität) Der Anbieter sollte Ihr vollstes Vertrauen genießen.
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Kategoriebild

Kaspersky bei der NASAwährend das FBI seit 2018 die US-Behörden anweist, keine Antivirus-Software des mittlerweile mit Firmensitz in Großbritannien operierenden Unternehmens Kaspersky Labs, Ltd. einzusetzen,

Über den Autor:
Patrick Bärenfänger ist Ihr Experte für IT-Sicherheit und IT-Systeme mit TÜV-Zertifizierungen als IT-Security Manager und -Auditor und über 33 Jahren IT-Erfahrung. Er bietet Ihnen professionelle Dienstleistungen in den Bereichen: Ausbildung und Zertifizierung von Systemkoordinierenden, Infrastruktur-Analyse und -Optimierung zur Azure-Cloud-Migration, IT-Systemprüfungen und Notfallplan/Risiko-Analyse nach anerkannten Standards BSI-Grundschutz und IDW PS330 und Anwendung der künstlichen Intelligenz in der Praxis.

Kommentare

2 Gedanken zu “Sicherheitsbetrachtung Kaspersky Antivirus

  1. Sicherheitsbetrachtung Kaspersky Antivirus

    Alternativen? Bitdefender: Firmensitz in Rumänien, Avast: Firmensitz in der Slowakei, Panda Antivirus: Firmensitz in Pakistan! nicht wirklich vertrauenswürdige Staaten im Sicherheitsranking und beim Datenschutz. G-Data hat auch eine Niederlassung und Entwickler in Pakistan.
    Firmensitz: USA: Trend-Micro ist der teuerste und nicht der Beste unter den Scannern, Norton (Symantec)
    Kaspersky: Firmensitz in Großbritannien, Delivery-Server in der Schweiz

  2. Sicherheitsbetrachtung Kaspersky Antivirus

    veeam ist auch eine ehemals russische Firma, die nun von einem US-Unternehmen übernommen wurde. Die beiden russischen Geschäftsführer haben das Unternehmen verlassen. Viele Entwickler sitzen nach wie vor in St. Petersburg. Hier gibt es auch keine BSI-Warnung und eine ähnliche Konstellation. Auch alle Backup-Produkte haben Zugriff auf alle Daten und empfangen Updates über das Internet. Da das Abtrennen vom Internet zwar eine wirksame, aber keine praktikable Lösung ist udn der Verzicht auf Virenschutz und Datensicherung nicht in Frage kommt, bleibt im Moment keine nennenswerte Alternative.

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